Reisetagebuch 2016

Die Gruppe sah sich heute Tōkyō an. Wir kannten die Stationen aber schon, und entschlossen uns deshalb, uns vorzeitig abzusetzen und den Rest des Tages die Stadt selbst zu erkunden.

Wir sahen uns aber noch gemeinsam den Meiji-Schrein und Roppongi Hills an. Für 500¥ extra bekamen wir diesmal Zugang zur Dachterrasse des Mori Tower, von der aus man fantastische Fotos von Tōkyō machen kann.

Am Kaiserpalast trennten sich schließlich unsere Wege. Wir gingen erst einmal zum Tōkyōter Hauptbahnhof, wo wir Tickets für unsere Weiterreise kauften.

Danach fuhren wir nach Odaiba, wo gerade eine Figur der Kampfmaschine Gundam in Originalgröße ausgestellt ist. Wir besuchten auch wieder die Freiheitsstatue. Das Foto, welches wir 2010 an dieser Stelle gemacht haben, ist heute nicht mehr möglich, denn Neubauten versperren den freien Blick auf das alte Wahrzeichen, den Tōkyō Tower.

Beim Bummeln entdeckten wir eine Tierhandlung, die kleine Hunde verkaufte. Bei den Preisen blieb uns die Spucke weg. Bis zu 400.000¥ kostet so ein kleiner Vierbeiner. Vielleicht ist das gar nicht verkehrt, denn wer so viel Geld für einen Hund ausgibt, wird sich den Kauf vorher sehr gründlich überlegen.

Was wir aus buchungstechnischen Gründen bei unserer Reise 2010 verpasst haben, holten wir diesmal nach. Mit den Bus fuhren wir zweieinhalb Stunden nach Nikkō, wo wir den Tōshōgū-Schrein und den Taiyu-in-Tempel besichtigen.

Die Gebäude des Tōshōgū-Schreins sind außergewöhnlich prächtig und farbenfroh gestaltet. Unzählige und teilweise sehr aufwändige Schnitzereien verzieren sie.

An einem eher unscheinbaren Seitengebäude findet man beispielsweise die berühmten drei Affen der Weisheit. Die Schnitzereien ziehen sich um das ganze Gebäude und stellen den Kreislauf des Lebens dar. Die drei Affen symbolisieren den Wunsch der Mutter, dass das Affenkind im Leben nichts böses hören, sehen und sprechen mag.

Eine andere Schnitzerei zeigt einen Elefanten, der allerdings mit seinen Raubtieraugen und seinen scharfen Krallen sehr merkwürdig aussieht. Im alten Japan kannte man Elefanten nur aus den Erzählungen Reisender. Das Aussehen blieb der Vorstellungskraft des Künstlers überlassen.

Nach einer langen Rückfahrt sind wir jetzt wieder zurück im Hotel. Eben genossen wir von der Dachterrasse aus noch einen wunderschönen Blick über Asakusa und auf den bunt erleuchteten Tōkyō Sky Tree.

Nach einem letzten gemeinsamen Frühstück ging es für die Gruppe zum Flughafen. Unser eigenes Abenteuer fängt erst an, denn von nun an sind wir alleine unterwegs. Mit dem Shinkansen fuhren wir nach Nagoya. Dort stiegen wir in einen Limited Express nach Takayama, einer kleinen Stadt in den Japanischen Alpen.

Der Ort hat einen wunderschönen Stadtkern mit alten Holzhäusern, in denen man Essen und alle möglichen Souvenirs kaufen kann. Bekannt ist hier das Hida-Rind, welches bei Gourmets den Ruf hat, mindestens genauso gut wie das weltberühmte Kobe-Rind zu schmecken. Wir genossen dieses hervorragende Fleisch auf eine eher profane Weise: Als Wagyū-Hamburger, mit hausgemachten Wedges und Eistee. Köstlich!

Unser Hotel ist wieder ein traditioneller japanischer Ryokan. Das Zimmer ist einfach, aber komfortabel eingerichtet. Und natürlich werden wir auch diesmal wieder auf einer dünnen Matratze auf dem Tatamiboden schlafen. Wir fühlen uns in Ryokan nach wie vor ungeübt und unsicher, aber hier ist man auf ausländische Besucher gut eingestellt. Unsere Gastgeber hießen uns herzlich Willkommen, erklärten uns alles geduldig und übersahen auch dezent den einen oder anderen Fauxpas, den wir uns leisteten.

Nach einer bequemen Nachtruhe begann der Tag mit einem japanischen Frühstück. Heute war es regnerisch, und so bot sich der Besuch eines Museums an.

Ein wenig abseits, aber gut zu Fuß zu erreichen ist das Freilichtmuseum Hida no Sato. Hier stehen alte Häuser aus der Hida-Region, die einen Einblick in die Lebensweise zur Edo-Zeit erlauben. Typisch ist die Konstruktion mit der Feuerstelle in der Raummitte und der offenen Decke. Es gibt keinen Kamin. Der Rauch zieht durch die Dachkonstruktion und hält auf dem Weg Schädlinge fern. Die Dachetagen waren nicht bewohnt, sondern wurden zur Zucht von Seidenspinnerraupen und der Gewinnung von Seide verwendet. In manchen Häusern saßen Museumsmitarbeiter in zeitgemäßer Verkleidung und führten alte Handwerkskunst vor.

Als uns ein Regenguss überraschte, flüchteten wir in eine kleine, abseits gelegene Hütte. Drinnen glimmte ein Feuer, wir saßen auf der warmen Tatamimatte und warteten den Regen ab. Das war gemütlich!

Zum Abschluss der Reise gönnten wir uns Hida-Rind in einem Yakiniku-Restaurant. Serviert werden verschiedene kleine Stücke Fleisch und Gemüse, welche man selbst auf einem Tischgrill zubereitet. Das Wagyū-Fleisch ist mit feinem Fett durchzogen, sehr zart und außergewöhnlich aromatisch. Durch den hohen Fettgehalt sättigt es allerdings auch recht schnell.

Das Leben in der kleinen Stadt Takayama ist völlig anders als der Trubel in den großen Städten, die wir bisher gesehen haben. Die Menschen sind freundlicher und offener, und es gibt reichlich Platz, um auch mal auszuspannen und einfach die Landschaft zu genießen. So liefen wir eine Zeit lang noch ziellos im Ort umher, bevor wir in den reservierten Expresszug stiegen, der uns zu unserer letzten Station brachte: Nagoya.

Der Kontrast hätte kaum größer sein können. Nagoya ist eine typische Großstadt. Laut, dicht zugebaut, wenig Grün, eine Autobahntrasse schlängelt sich auf dicken Betonstelzen quer durch die Stadt.

Das Hotel ist ebenfalls ein Kontrast. Nach dem familiären Ryokan in Takayama sind wir jetzt in einem komfortablen, aber anonymen Zimmer eines westlichen Hotels untergebracht. Wir haben von dort eine schöne Aussicht auf den Bahnhof und auf die hoteleigene Wedding Chapel. Diese Kirche aus Stahlbeton und in einer Stilmischung aus Gotik und Disneyland befindet sich im Hotelinnenhof. Hochzeitspaare gehen die lange Freitreppe herunter und lassen sich fotografieren. Die Hochzeitsgesellschaft geht anschließend im benachbarten Ballhaus im Barockstil feiern, während die Kirche schon für die nächste Hochzeit vorbereitet wird. Ein interessantes Spektakel.

Wir werden jetzt aber noch einmal losgehen und unser Abendessen suchen.