Daruma

Man braucht sich nicht lange umzuschauen, um irgendwo den ersten dieser roten Köpfe mit den großen Augen und dem grimmigen Gesichtsausdruck zu entdecken. Die Rede ist von einem Daruma (だるま).

Die Figur stellt den Mönch Bodhidharma dar. Er hat einer Legende nach keine Arme und Beine mehr, weil sie vom jahrelangen Meditieren abgefallen sind. Und weil er einmal beim Meditieren einschlief, schnitt er sich aus Ärger über seine Nachlässigkeit die Augenlider ab, was ihm die großen Augen einbrachte.

Der Daruma gilt als Glücksbringer. Verkauft wird er meistens mit weißen Augen. Man wünscht sich etwas und malt anschließend ein Auge aus. Dann stellt man die Figur an einen Ort, an dem man möglichst täglich vorbeikommt. Der Anblick des Daruma mit nur einem ausgemalten Auge soll ständig an den Wunsch erinnern. Geht er in Erfüllung, bekommt der Daruma zur Belohnung auch sein anderes Auge ausgemalt. Er hat damit seinen Zweck erfüllt und wird zum Jahreswechsel in dem Tempel, in dem er gekauft wurde, feierlich verbrannt.

Daruma-Figuren werden aus Pappmaché hergestellt und sind innen hohl. Es gibt sie in verschiedenen Größen. Der Körper ist meist rot bemalt, man findet ihn aber auch in weiß und anderen Farben. Man kann sie in Tempeln und manchmal als おみやげ (omiyage) in Souvenirläden kaufen - ein nettes Mitbringsel von einer Japanreise. Für den schnellen Wunsch zwischendurch findet man manchmal sogar vorgebetete Daruma, beispielsweise für Gesundheit oder Erfolg bei Prüfungen.

Durch seine Form wurde der Daruma im 18. Jahrhundert zusätzlich ein Stehaufmännchen. Er erinnert daran, dass man sich nach einem Rückschlag wieder hinstellen und weitermachen soll. Die Japaner sagen dazu 七転八起 (nanakorobi yaoki): fall sieben mal um, steh acht mal auf.

Fun Fact: Schneemänner heißen auf Japanisch 雪だるま (yuki daruma) - Schnee-Daruma.

Kaga-Onsen

Manchmal sind es die ungeplanten Dinge auf einer Reise, die einem besonders in Erinnerung bleiben.

Auf unserer Fahrt von Kyōto nach Kanazawa fuhr unser Zug durch den kleinen Ort Kaga-Onsen. Auf den ersten Blick war es ein normales japanisches Städtchen, wäre da nicht die große goldene Kannon-Statue gewesen, die auf einem Hügel stand und in der Sonne glänzte.

Wir wurden neugierig. Im Hotel in Kanazawa versuchten wir, mehr über diese Statue zu erfahren, aber in unseren Reiseführern wurde der Ort nicht erwähnt. Was wir fanden, war der Eintrag eines Touristen in einem Internetforum, in dem stand, dass er dort nur eine halb verfallene Tempelanlage vorfand.

Das sind eigentlich nicht sehr verlockende Aussichten, für Fotografen haben verfallene Gebäude jedoch ihren besonderen Reiz. Wir suchten die Statue auf Google Maps und programmierten die Koordinaten in unser GPS. Dann machten wir uns auf den Weg nach Kaga-Onsen.

Onsen sind heiße vulkanische Mineralwasserquellen. Sie sind fast überall in Japan zu finden. Angesiedelte Hotels nutzen diese Quellen und bieten ihren Gästen einen Wellnessaufenthalt mit Bädern, gutem Essen und gemütlichen Zimmern an. Zu den Zeiten des japanischen Wirtschaftswunders gab es viele dieser Orte, wo man seinen spärlichen Urlaub verbringen und sich erholen konnte. Als die Wirtschaftskrise kam, fehlte den Menschen das Geld für teure Urlaube, und die Orte fielen der Vergessenheit zum Opfer.

So auch Kaga-Onsen. 1987 wurde hier “Utopia Kaga no Sato” eröffnet, eine Freizeitanlage mit Onsen-Hotel, einem Vergnügungspark und eben diesem Tempel. Heute ist davon nicht mehr viel zu erkennen. Wegweiser waren keine mehr zu finden, also suchten wir uns selbst einen Weg. Er führte uns in einem Bogen um die Statue herum, entlang dem ehemaligen Hotel und einem Schrottplatz, wo einst der Vergnügungspark war. Schließlich gelangten wir über die Rückseite in den Tempel.

In der Mitte der Anlage stand sie dann, Kaga Kannon, die 73 Meter hohe Kannon-Bodhisattva mit einem Kind auf ihrem Arm. Darum herum befanden sich mehrere kleine Gebäude. Ein überdachter Rundweg führte um den Sockel der Statue zu einer Halle, die auf den ersten Blick wie eine Scheune aussah. Die Anlage hatte zweifellos schon bessere Zeiten erlebt. Hier und da blätterte die Farbe ab, und tatsächlich hatten einige Dächer große Löcher, während andere Gebäude intakt zu sein schienen. Es war deutlich zu sehen, dass jemand sich hier alle Mühe gab, die Anlage mit knappen finanziellen Mitteln bestmöglich instandzuhalten.

Zu unserer Überraschung waren noch andere Leute dort. Gärtner schnitten eine Hecke. Ein anderes Touristenpärchen schlenderte die Gebäude entlang. Die Verwalter des Tempels winkten uns zu sich. Obwohl wir uns unabsichtlich durch die Hintertür hinein geschlichen hatten, wurden wir freundlich empfangen.

Selbstverständlich zahlten wir das Eintrittsgeld von 500¥ pro Person, das am regulären Eingang fällig geworden wäre. Als Gegenleistung erhielten wir eine ausgiebige Führung. Unsere Führerin sprach leider nur Japanisch, aber wir behalfen uns mit dem Google-Übersetzer und meinen rudimentären Japanischkenntnissen. Wir gingen in das Gebäude, das ich eben noch für eine Scheune hielt. In der Halle war mit sehr viel Liebe zum Detail der Lebensweg Buddhas in großen Diaramen dargestellt, davor auf einer Kiesfläche eine Modelllandschaft mit kleinen Gebäuden und Figuren.

Dieser Anblick war schon atemberaubend, aber nichts gegen das, was uns in der anderen Hälfte des Gebäudes erwartete. Dort standen auf einer Tribüne 1188 goldene, mannshohe Buddhafiguren. Etwas Ähnliches sahen wir bereits in Kyōto im Sanjūsangen-dō, doch obwohl jener aus historischer Sicht zweifellos bedeutender ist, war dieser hier durch den Goldglanz und den Spiegeln an der Wand viel prachtvoller.

In einem anderen Nebengebäude hing eine 10 Meter hohe und 5 Meter breite Glocke, auf der Figuren von Himmelstieren zu sehen waren. Selbstverständlich war sie ebenfalls vergoldet. Ebenso die 17 Meter hohe, 5-stöckige Pagode in einem weiteren Gebäude. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, was für Perlen in diesem etwas heruntergekommenen Ort versteckt waren. Es war schade, dass das Fotografieren in den Gebäuden nicht gestattet war.

Völlig überwältigt verließen wir die Tempelanlage wieder, diesmal durch den Haupteingang. Und so wurde ein ungeplanter Abstecher in ein Nachbarörtchen zu einem ganz besonderen Erlebnis. Nicht nur für uns, sondern auch für unsere Gastgeber, die sich sehr über Besucher aus dem fernen Deutschland gefreut haben.

Der Haupteingang ist nur über einen etwas versteckten, kurzen Trampelpfad zu erreichen. Es lohnt sich aber, bei Kaga no Sato vorbeizuschauen, wenn man gerade in der Gegend ist und etwas Zeit erübrigen kann.

Ōwakudani

Bei unserer ersten Reise nach Japan im Jahr 2010 besuchten wir Ōwakudani, wörtlich übersetzt das große kochende Tal. Der Ort liegt auf dem etwa 80 km von Tōkyō entfernten Vulkan Hakone. Dank etlicher heißer Schwefelquellen brodelt, dampft und stinkt es hier gewaltig. Falls das Wetter mitspielt, hat man von hier aus aber eine gute Aussicht auf Japans wohl berühmtesten Vulkan, dem Fuji-san.

Der Ort ist vor allem berühmt für seine kuro tamago, den schwarzen Hühnereiern. Sie werden in dem heißen Schwefelwasser gekocht, wodurch die Schale sich schwarz verfärbt. Es heißt, der Verzehr eines solchen Eies verlängert das Leben um sieben Jahre. Die gekochten Eier werden mit einer speziellen Seilbahn zum Besucherzentrum gebracht und dort verkauft.

Im Jahr 2015 musste der Ort für Besucher gesperrt werden. Hunderte kleinerer Beben, eine Anhebung des Bodens um einige Zentimeter und eine Erhöhung des Wasserdrucks der Quellen machten dies notwendig. Ein Aufenthalt an diesem Ort wäre lebensgefährlich gewesen. Experten befürchteten sogar einen möglichen Ausbruch des Vulkans.

Doch der Hakone beruhigte sich. Seit Mitte 2016 ist Ōwakudani wieder eingeschränkt erreichbar, kranken und schwangeren Menschen wird wegen der Gase in der Luft von einem Besuch allerdings immer noch abgeraten. Man erreicht das Besucherzentrum entweder über eine Zugangsstraße oder vom Ashi-See aus mit einer Seilbahn.

Geisterstunde!

Obwohl die japanische Kultur keine christlichen Wurzeln hat, gibt es auch in Japan eine Geisterstunde. Oder genauer gesagt, eine halbe Geisterstunde.

Sie heißt 丑三つ時 (ushi mitsu doki) und bedeutet wörtlich “die dritte Zeit des Ochsen”. Diese etwas merkwürdige Formulierung geht zurück auf die Art, wie im alten Japan die Uhrzeit beschrieben wurde. Die 24 Stunden des Tages waren aufgeteilt in 12 Abschnitte zu je zwei Stunden. Die einzelnen Abschnitte waren den chinesischen Tierkreiszeichen zugeordnet und wiederum unterteilt in vier Teile zu je 30 Minuten. Die Zeit des Ochsen ist der Abschnitt von 1 Uhr bis 3 Uhr morgens. Die japanische Geisterstunde ist im dritten Teil dieses Abschnittes, sie findet also nachts zwischen 2 Uhr und 2:30 Uhr statt.

Ähnlich wie bei uns ist die Geisterstunde eine unheimliche Zeit, in der man Geistern begegnen und Dämonen beschwören kann. Ein altes Ritual, das zur Geisterstunde praktiziert wird, ist 丑の時参り (ushi no toki mairi), der Schreinbesuch zur Zeit des Ochsen. Das ist ein Fluch, der seinem Opfer den Tod bringen soll.

Die Beschwörerin (meistens ist es eine verachtete Frau) trägt das eiserne Dreibein einer Feuerstelle umgedreht auf ihrem Kopf. In jedes der Metallbeine hat sie eine Kerze gesteckt. Mit dieser Krone schleicht sie sich zur Geisterstunde in einen Schrein und schlägt dort Nägel in einen heiligen Baum. Wenn sie das sieben Tage in Folge schafft, ohne dabei beobachtet zu werden, erscheint ein Ochse. Um den Fluch zu vollenden, muss sie über ihn steigen.

Unter Strom

Das japanische Stromnetz hat eine Spannung von 100 Volt und eine Netzfrequenz von 50 Hz oder 60 Hz, je nach Region. Das entspricht nicht den 230 Volt und 50 Hz, die in Europa verwendet werden. Man sollte also einen Blick auf alle Geräte werfen, die man nach Japan mitnehmen möchte.

Die allermeisten modernen Ladegeräte oder Laptop-Netzteile sind für einen weltweiten Einsatz ausgelegt und können in Japan problemlos verwendet werden. Andere Geräte (wie Rasierer, elektrische Zahnbürste, Haartrockner), die 230 Volt benötigen, können in Japan nicht betrieben werden. Manche Reisegeräte lassen sich auf 110 Volt umschalten. Nach der Rückkehr darf man nicht vergessen, sie wieder zurückzuschalten, sonst besteht Brandgefahr.

Die Stecker in Japan sind dieselben wie in den USA, also NEMA-Stecker. Passende Adapter bekommt man hier im Fachhandel, in Japan in den Elektronikmärkten und manchmal auch leihweise an der Hotelrezeption.

Viele Reiseadapter auf dem hiesigen Markt sind dreipolig (also mit Erdung) und passen nicht in die zweipoligen Steckdosen, die man in den Hotelzimmern überwiegend vorfindet. Beim Kauf sollte man also darauf achten, dass der Adapter auf der Steckerseite nur zwei flache Kontakte besitzt (“Typ A”).

Man findet in japanischen Elektromärkten und auch hier auf großen Versandplattformen schöne flache Adapter. Sie benötigen wenig Platz im Reisegepäck und lassen sich gut auf unsere flachen Eurostecker stecken. Für diesen Zweck sind sie sehr praktisch.

Runde Schukostecker mit Schutzkontakt dürfen niemals auf zweipolige Adapter gesteckt werden, auch wenn es passen sollte. Das angeschlossene Gerät ist dadurch nicht geerdet, und man riskiert einen tödlichen Stromschlag.

NEMA-Stecker bringen generell nicht die Sicherheit, die wir in Europa gewohnt sind. Die Stecker rutschen leicht aus der Dose, und es besteht die Gefahr, versehentlich einen der Kontakte zu berühren, während er noch unter Strom steht. Es empfiehlt sich, beim Umgang mit ihnen immer aufmerksam zu sein.