Japanisch kennt gleich drei Schriftsysteme. Keines davon entspricht unserer Schrift. Um uns das Lesen zu erleichtern, gibt es deshalb verschiedene Umschriften, die japanische Wörter in lateinischen Buchstaben darstellen. Die bekanntesten sind das Hepburn-System und das in diesem Blog verwendete Kunrei-System.

Damit wird beispielsweise aus 東京 das Wort Tōkyō. Lesen können wir es jetzt schon mal. Aber wie spricht man es richtig aus? Und was bedeuten diese Striche über dem O?

Aus der Sicht eines Deutschsprachlers haben wir einen kleinen Vorteil, denn grundsätzlich kann man japanische Wörter aussprechen, als wären sie deutsch. Für den Anfang braucht man nur ein paar wenige Ausnahmen zu beachten:

  • Das J wird "dsch" ausgesprochen, so wie in "Dschungel".
  • Das R wird wie eine Mischung aus R und L gesprochen. Das braucht ein wenig Übung.
  • Das S wird etwas schärfer gesprochen, so wie ein "ß".
  • Das U liegt zwischen unserem U und Ü, und wird meist nur angedeutet. "desu" wird zum Beispiel "deß" ausgesprochen.
  • Das Z wird wie unser S gesprochen.

Vokale werden stets kurz gesprochen. Wenn sie gedehnt werden sollen, steht ein Makron (ō) oder manchmal auch ein Zirkumflex (ô) darüber. Wir können uns das wie ein angehängtes Dehnungs-H vorstellen. Also:

  • 東京 → Tōkyō → Gesprochen: Tohkyoh
  • 京都 → Kyōto → Gesprochen: Kyohto
  • 大阪 → Ōsaka → Gesprochen: Ohßaka
  • 横浜 → Yokohama → Gesprochen: Yokohama (nicht "Yoh koh hah ma")

Neben ihren drei Schriftsystemen lernen japanische Schüler übrigens auch unsere lateinische Schrift, dort rōmaji genannt. Sie spielt im Alltag aber nur eine Nebenrolle.

Engrish

Im Internet sind unter dem Begriff Engrish mehr oder weniger lustige Pannen zu finden, die dadurch entstehen, dass die Buchstaben R und L verwechselt wurden. Was ist da eigentlich dran?

Wir alle erwerben unsere elementaren Sprachfähigkeiten im frühesten Kindesalter. Für deutsche Muttersprachler sind "vier" und "viel" zwei völlig verschiedene Wörter, denn wir haben von Kindheit an gelernt, sie an ihrem Klang zu unterscheiden.

Die japanische Sprache unterscheidet nicht zwischen den Lauten R und L. Sie kennt nur einen Mischlaut, wie wir oben gesehen haben. Für japanische Fremdsprachenschüler klingen Wörter wie "vier" und "viel" (oder auch englische wie "right" und "light") deshalb erst einmal ziemlich gleich. Sie müssen den Unterschied mühevoll erlernen.

Wie schwer das für einen Erwachsenen ist, kann man in diesem YouTube-Video selbst herausfinden. Das chinesische Wort "ma" bedeutet "Mutter", "Hanf", "Pferd" oder "schimpfen" - je nach Betonung. Ein chinesischer Muttersprachler hört hier vier völlig unterschiedliche Wörter, während sie für unsere Ohren irgendwie gleich klingen. Ein aus unserer Sicht unbedeutender Betonungsfehler führt bereits dazu, dass man seine Mutter als Pferd bezeichnet.