Reiseplanung

Ob in einer Reisegruppe oder individuell: Jeder hat seine eigene Art, ein Land zu erkunden. In diesem etwas längeren Artikel beschreibe ich, wie wir unsere individuellen Japanreisen geplant haben.

Beste Reisezeit

Japan hat mehrere Klimazonen, weshalb es schwer ist, pauschal von einer „besten Reisezeit“ zu sprechen. Für die Südküste der Hauptinsel – touristisch der attraktivste Teil des Landes – verspricht die Zeit während der Kirschblüte (April, Mai) sowie der Spätsommer und Herbst angenehm warme bis heiße Temperaturen und wenig Regen. Der eigentliche Sommer ist sehr heiß und regnerisch. Im Spätsommer drohen zudem Taifune, auch die Reiseplanung durcheinanderzuwirbeln.

Unbedingt vermeiden sollte man die Golden Week. Das ist eine Reihe von Feiertagen Ende April und Anfang Mai, an denen fast ganz Japan unterwegs ist, um das gute Frühlingswetter und den Anblick der Kirschblüten zu genießen. Das heißt aber auch, die Züge und Hotels sind überfüllt, Sehenswürdigkeiten überlaufen und viele Geschäfte geschlossen. Ähnlich ist es während des Obon-Festes im August und um Neujahr im Januar.

Was sehen?

Tipps für Sehenswürdigkeiten findet man mehr als reichlich, vom klassischen Reiseführer über Reiseblogs bis hin zu Dokus im Fernsehen. Die Website von Japan Guide ist für uns immer die wichtigste Anlaufstelle. Sie ist sehr umfangreich, aktuell, und gibt Auskunft über Sehenswürdigkeiten, side trips und zur Anfahrt. Der frei empfangbare Sender NHK World zeigt zudem viele Reisetipps rund um das Land.

Wir führen ständig eine kleine Liste von Dingen, die wir irgendwo aufgeschnappt haben und selbst sehen möchten. Wenn wir die Planung beginnen, treffen wir eine Vorauswahl und markieren sie auf der Landkarte. Es ergibt sich recht schnell ein Bild von den Orten, die man anfahren möchte, und wieviel Zeit man vor Ort voraussichtlich benötigt.

Verkehrsmittel

Nach Japan gelangt man mit dem Flugzeug. Die Flugzeit beträgt bei einem Direktflug um die 11 Stunden. Die internationalen Hauptflughäfen sind Narita, Haneda (beide Tōkyō) und Kansai (Ōsaka), manche Airlines steuern aber auch weitere Flughäfen an.

Ist man erst mal dort, ist der Zug das Verkehrsmittel der Wahl. Das Schienennetz ist engmaschig, die Züge pünktlich und zuverlässig. Mit dem Shinkansen-Schnellzug erreicht man fast jedes Ziel im Land in wenigen Stunden. Für Touristen ideal ist der Japan Rail Pass, der zu einem Pauschalpreis die Nutzung der meisten Züge für bis zu drei Wochen gestattet.

Wenn wir die Orte gefunden haben, die wir besuchen möchten, schauen wir auf HyperDia, ob Bahnverbindungen existieren, wie lange die Fahrzeiten sind, und ob die Fahrten im Rail Pass inkludiert sind oder extra bezahlt werden müssen.

Vor Ort bewegen wir uns zu Fuß, mit dem Taxi oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Grundsätzlich ist es auch möglich, ein Auto zu mieten, aber Mietpreise und Straßenmaut sind nicht gerade günstig. Besitzer eines deutschen Führerscheines müssen diesen vorher außerdem ins Japanische übersetzen lassen. Wer mehr wissen möchte: WanderWeib hat einen fantastischen Artikel zum Fahren in Japan gebloggt.

Hotels

Wir wissen gerne schon vor der Reise, wo wir übernachten werden. Also buchen wir bereits frühzeitig bei bekannten Hotelportalen unsere Übernachtungsmöglichkeiten. Dann ist die Auswahl groß, und außerdem wissen wir so, wieviel Geld wir für die Hotels ausgeben werden.

Der Nachteil ist natürlich, dass man vor Ort nicht mehr sehr flexibel ist, sondern seinen Reiseplan einhalten muss. Über die Hotelportale könnten wir auch vor Ort kurzfristig unser nächstes Hotel suchen. In Städten wie Kyōto sind bezahlbare Hotels allerdings oft schon langfristig ausgebucht.

Westliche Hotels entsprechen dem Preisniveau von Deutschland, gerade bei günstigen Hotels können die Zimmer aber sehr klein sein. Der Zimmerpreis wird in der Regel in Yen berechnet, so dass man noch eine Reserve für Währungsschwankungen auf das Budget aufschlagen sollte. Manche Städte erheben zudem eine geringe Touristenabgabe, die im Hotel bezahlt werden muss. Das Frühstück ist selbst in teuren Hotels oft eher mäßig. Es lohnt sich, die Bewertungen zu lesen und eventuell das Zimmer ohne Frühstück zu buchen.

Die traditionellen Hotels, Ryokan genannt, sind auf jeden Fall einen Besuch wert. Allerdings sollte man sich ein wenig darauf vorbereiten, um dieses Erlebnis richtig genießen zu können.

Feinplanung

Wenn die Unterkünfte und Reisetage feststehen, planen wir das Sightseeing. Wir erstellen eine Liste der Dinge, die wir auf jeden Fall vor Ort sehen möchten. Eine Liste weiterer Sehenswürdigkeiten ist hilfreich, wenn danach noch Zeit übrig bleibt oder man sowieso gerade in der Nähe ist.

Bei der Planung lassen wir immer ein wenig Spielraum für Spontanes, für Überraschungen oder für kleine Einkaufsbummel in den Shopping-Straßen. Auch einzelne Tage mit wenig Programm können reizvoll und kurzweilig sein.

Dazu kommen die Fahrtage, an denen man den Ort wechselt und sein Gepäck dabei hat. An solchen Tagen sieht man nicht viel, und doch kommen solche Stunden sehr gelegen, an denen man entspannt im Zug sitzt, aus dem Fenster sieht und vielleicht ein Bentō probiert.

Orientierung vor Ort

Sich in japanischen Städten zu orientieren ist eine Herausforderung, denn nur wenige Straßen haben einen Namen, und nach dem Weg fragen gestaltet sich wegen der Sprachbarriere eher schwierig.

Für uns ist ein Wander-GPS zum unverzichtbaren Begleiter geworden. Bei der Planung zu Hause markieren wir bereits die Bahnhöfe, Hotels und Sehenswürdigkeiten als Wegpunkt. Schwer zu findende Wege stecken wir als Route ab. Vor Ort markieren wir interessante Punkte (zum Beispiel ein zufällig entdecktes Restaurant für das Abendessen) für einen späteren Besuch. Ein gutes Wander-GPS hält locker einen Tag durch, bevor es geladen werden muss, und zeichnet zudem den zurückgelegten Weg auf, was später hilft, die Fotos einem Ort zuzuordnen.

Das passende Kartenmaterial kann man meist beim Hersteller des GPS-Gerätes kaufen. Für Geräte von Garmin kann man sich auch eine Open Street Map-Karte von Japan kostenlos (und legal) herunterladen.

Verpflegung

Japan hat den Ruf, sehr teuer zu sein. Das kann man so allgemein nicht sagen. Wenn Flug, Hotels und Rail Pass erst einmal bezahlt sind, sind die Kosten vor Ort überschaubar. Einplanen sollte man Eintritte, Souvenirs, Essen, Getränke und Snacks, sowie gelegentliche Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Taxis.

Wenn man keine besonderen Ansprüche an das Essen stellt, zahlt man in einem Udon- oder Schnitzelrestaurant oder einem Izakaya etwa so viel wie hier in einem guten Wirtshaus. Alternativ findet man für ein Abendessen im Hotelzimmer in Supermärkten oder Bahnhöfen gutes Sushi, kalte Schnitzel, fertige Kroketten oder Salate zu einem günstigen Preis. Zur Not kann man die üblichen Fast-Food-Ketten aufsuchen. Europäische Restaurants gibt es natürlich auch, sie sind in Japan allerdings etwas Besonderes und deshalb teurer als bei uns. Für eine gewöhnliche Pizza zahlt man dort schnell um die 1800¥.

Los geht's…

Das war es eigentlich schon an Vorbereitung. Was noch fehlt, sind allgemeine Dinge wie die notwendigen Reisedokumente. Und schon steht einem Besuch des Landes nichts mehr im Wege.

Einen Tipp noch zum Schluss: Für die ganzen Souvenirs und Mitbringsel sollte man reichlich Platz in seinem Gepäck einplanen. 😉

Ema

Man findet sie an fast jedem Tempel und Schrein: Eine Wand voller kleiner, bedruckter oder beschriebener Holztäfelchen, ema (絵馬) genannt. Besucher kaufen die Tafeln, beschriften eine Seite mit einem Wunsch und hängen sie dann auf.

Das Programm an Wünschen ist breit, von Gesundheit und bestandenen Prüfungen über Erfolg im Beruf und einer guten Beziehung bis hin zum Weltfrieden. Selbst Touristen haben den Brauch übernommen, und so findet man nicht nur in japanisch beschriftete Tafeln, sondern auch Koreanisch, Englisch, Deutsch und weitere Sprachen.

Der Brauch geht zurück auf die Nara-Zeit (etwa 8. Jahrhundert). Zu der Zeit wurden Pferde als Boten der Götter gesehen. Damit die eigenen Wünsche und Gebete von den Göttern besser erhört werden, spendeten die Menschen den Schreinen Pferde. Diese Tiere waren allerdings extrem teuer. Wer es sich nicht leisten konnte, baute deshalb Pferdefiguren aus Holz, Ton oder Papier. So entstanden die heutigen Holztäfelchen. Das Wort Ema heißt übersetzt Pferdebild.

Unter Strom

 Adapter vom Typ A Das japanische Stromnetz hat eine Spannung von 100 Volt und eine Netzfrequenz von 50 Hz oder 60 Hz, je nach Region. Das entspricht nicht den 230 Volt und 50 Hz, die in Europa verwendet werden. Man sollte also einen Blick auf alle Geräte werfen, die man nach Japan mitnehmen möchte.

Die allermeisten modernen Ladegeräte oder Laptop-Netzteile sind für einen weltweiten Einsatz ausgelegt und können in Japan problemlos verwendet werden. Andere Geräte (wie Rasierer, elektrische Zahnbürste, Haartrockner), die 230 Volt benötigen, können in Japan nicht betrieben werden. Manche Reisegeräte lassen sich auf 110 Volt umschalten. Nach der Rückkehr darf man nicht vergessen, sie wieder zurückzuschalten, sonst besteht Brandgefahr.

Die Stecker in Japan sind dieselben wie in den USA, also NEMA-Stecker. Passende Adapter bekommt man hier im Fachhandel, in Japan in den Elektronikmärkten und manchmal auch leihweise an der Hotelrezeption.

Viele Reiseadapter auf dem hiesigen Markt sind dreipolig (also mit Erdung) und passen nicht in die zweipoligen Steckdosen, die man in den Hotelzimmern überwiegend vorfindet. Beim Kauf sollte man also darauf achten, dass der Adapter auf der Steckerseite nur zwei flache Kontakte besitzt ("Typ A").

Man findet in japanischen Elektromärkten und auch hier auf großen Versandplattformen schöne flache Adapter. Sie benötigen wenig Platz im Reisegepäck und lassen sich gut auf unsere flachen Eurostecker stecken. Für diesen Zweck sind sie sehr praktisch.

Runde Schukostecker mit Schutzkontakt dürfen niemals auf zweipolige Adapter gesteckt werden, auch wenn es passen sollte. Das angeschlossene Gerät ist dadurch nicht geerdet, und man riskiert einen tödlichen Stromschlag.

NEMA-Stecker bringen generell nicht die Sicherheit, die wir in Europa gewohnt sind. Die Stecker rutschen leicht aus der Dose, und es besteht die Gefahr, versehentlich einen der Kontakte zu berühren, während er noch unter Strom steht. Es empfiehlt sich, beim Umgang mit ihnen immer aufmerksam zu sein.

Kurashiki

Gleich neben Okayama liegt die Stadt Kurashiki. Zur Edo-Zeit spielte die Stadt eine zentrale Rolle für den Reishandel. Der Name bedeutet "Stadt der Lagerhäuser" und bezieht sich auf die an einem Kanal gelegenen Reislager. Diese Canal Area kann auch heute noch besichtigt werden.

1889 eröffnete die Firma Kurabo in der Stadt eine Baumwollspinnerei, dessen Backsteingebäude heute als Ivy Square (Efeuplatz) bekannt ist.

Wenn man sich von einem Bummel durch die Straßen und Geschäfte losreißen kann, gibt es etliche Museen, die einen Besuch lohnen. Am wichtigsten ist das Ōhara-Museum für westliche Kunst. Aber auch das Kurabo-Museum, das Momotarō-Museum und das Sparschwein-Museum (Piggybank Museum) sind sicher einen kleinen Umweg wert.

Interessant ist der etwas kitschig und deplatziert wirkende Kurashiki Uhrenturm am Nordausgang des Bahnhofs. Er ist Hans Christian Andersen gewidmet. Zu vollen Stunden hebt sich der obere Teil des Turmes an, und es erscheinen Figuren zu vier Märchen Andersens. Ich habe leider erst später von dem Glockenspiel erfahren, aber fand ein YouTube-Video dazu.

Kurashiki ist von Okayama aus mit der Bahn gut zu erreichen. Vom Bahnhof aus sind es etwa 15 Minuten zu Fuß bis zur Canal Area und dem Ivy Square.