Ema

Man findet sie an fast jedem Tempel und Schrein: Eine Wand voller kleiner, bedruckter oder beschriebener Holztäfelchen, ema (絵馬) genannt. Besucher kaufen die Tafeln, beschriften eine Seite mit einem Wunsch und hängen sie dann auf.

Das Programm an Wünschen ist breit, von Gesundheit und bestandenen Prüfungen über Erfolg im Beruf und einer guten Beziehung bis hin zum Weltfrieden. Selbst Touristen haben den Brauch übernommen, und so findet man nicht nur in japanisch beschriftete Tafeln, sondern auch Koreanisch, Englisch, Deutsch und weitere Sprachen.

Der Brauch geht zurück auf die Nara-Zeit (etwa 8. Jahrhundert). Zu der Zeit wurden Pferde als Boten der Götter gesehen. Damit die eigenen Wünsche und Gebete von den Göttern besser erhört werden, spendeten die Menschen den Schreinen Pferde. Diese Tiere waren allerdings extrem teuer. Wer es sich nicht leisten konnte, baute deshalb Pferdefiguren aus Holz, Ton oder Papier. So entstanden die heutigen Holztäfelchen. Das Wort Ema heißt übersetzt Pferdebild.

Daruma

Daruma am Achi-Tempel in Kurashiki Man braucht sich nicht lange umzuschauen, um irgendwo den ersten dieser roten Köpfe mit den großen Augen und dem grimmigen Gesichtsausdruck zu entdecken. Die Rede ist von einem Daruma (だるま).

Die Figur stellt den Mönch Bodhidharma dar. Er hat einer Legende nach keine Arme und Beine mehr, weil sie vom jahrelangen Meditieren abgefallen sind. Und weil er einmal beim Meditieren einschlief, schnitt er sich aus Ärger über seine Nachlässigkeit die Augenlider ab, was ihm die großen Augen einbrachte.

Der Daruma gilt als Glücksbringer. Verkauft wird er meistens mit weißen Augen. Man wünscht sich etwas und malt anschließend ein Auge aus. Dann stellt man die Figur an einen Ort, an dem man möglichst täglich vorbeikommt. Der Anblick des Daruma mit nur einem ausgemalten Auge soll ständig an den Wunsch erinnern. Geht er in Erfüllung, bekommt der Daruma zur Belohnung auch sein anderes Auge ausgemalt. Er hat damit seinen Zweck erfüllt und wird zum Jahreswechsel in dem Tempel, in dem er gekauft wurde, feierlich verbrannt.

Daruma-Figuren werden aus Pappmaché hergestellt und sind innen hohl. Es gibt sie in verschiedenen Größen. Der Körper ist meist rot bemalt, man findet ihn aber auch in weiß und anderen Farben. Man kann sie in Tempeln und manchmal als おみやげ (omiyage) in Souvenirläden kaufen - ein nettes Mitbringsel von einer Japanreise. Für den schnellen Wunsch zwischendurch findet man manchmal sogar vorgebetete Daruma, beispielsweise für Gesundheit oder Erfolg bei Prüfungen.

Durch seine Form wurde der Daruma im 18. Jahrhundert zusätzlich ein Stehaufmännchen. Er erinnert daran, dass man sich nach einem Rückschlag wieder hinstellen und weitermachen soll. Die Japaner sagen dazu 七転八起 (nanakorobi yaoki): fall sieben mal um, steh acht mal auf.

Fun Fact: Schneemänner heißen auf Japanisch 雪だるま (yuki daruma) - Schnee-Daruma.