Heute fuhren wir mit der Bahn nach Nara und besuchten den Tōdai-ji mit dem großen Buddha. Danach eilten wir am Kasuga-taisha-Tempel mit seinen tausend Laternen vorbei. Wir hätten gerne mehr Zeit in Nara verbracht, aber wir mussten für den nächsten Programmpunkt, die "Geishatänze", pünktlich zurück in Kyōto sein.

Was sich auf dem Programm nach reiner Touristenfolklore anhörte, entpuppte sich als eine echte Theateraufführung in einem Kabuki-Theater in Pontocho. Natürlich verstanden wir kein einziges Wort, um so mehr konnten wir aber auf die Kostüme und den Gesang achten.

Nach der Vorstellung kamen wir mit einem Japaner ins Gespräch, der sich wahrscheinlich fragte, wie sich eine Gruppe Ausländer in das Theater verlaufen konnte. Er erklärte uns, dass das Stück selbst für Japaner sehr schwer zu verstehen ist. Es war der fünfte Akt eines alten Stückes in 15 Akten. Jedes Jahr wird ein Teil davon aufgeführt.

Es war eine sehr interessante Erfahrung. Vor allem die Musik - von einer kleinen Gruppe Musikerinnen live gespielt und gesungen - klang in unseren westlich geprägten Ohren zwar ungewöhnlich, aber gut.

Heute legten wir eine gute Strecke zurück. Mit dem Shinkansen und einem Expresszug fuhren wir nach Nagasaki im äußerten Westen Japans.

In Himeji machten wir eine Zwischenstation und besuchten Himeji-jō, die Burg des weißen Reihers. Sie wurde nach jahrelanger Restauration vor Kurzem fertiggestellt und erstrahlt jetzt wieder in weißem Glanz. Manche Japaner meinen sogar, sie sei jetzt zu weiß.

Spät abends kamen wir in Nagasaki an. Unser Hotel ist in der Nähe von Chinatown. Ein einfaches Businesshotel, renovierungsbedürftig, und uns schlug - trotz Nichtraucherzimmer - schon auf dem Flur der Gestank von Zigarettenrauch entgegen. Die ganze Gegend wirkt düster und etwas vernachlässigt. Es war tatsächlich zum ersten Mal, dass es für uns etwas unheimlich war, auf der Suche nach etwas Essbarem so spät noch durch die Straßen zu ziehen. Passiert ist natürlich nichts. Japan ist selbst nachts eines der sichersten Reiseländer der Welt.

Heute haben wir Nagasaki besichtigt. Seine geographische Nähe zu China merkt man der Stadt an, so gibt es beispielsweise einen Tempel im chinesischen Stil, den Sōfuku-ji.

Lange Zeit war Nagasaki Japans Tor zur übrigen Welt. Mitte des 16. Jahrhunderts landeten hier die Portugiesen und begannen, mit den Japanern zu handeln. Ihr Versuch, das Land außerdem christlich zu missionieren, stieß dagegen auf wenig Gegenliebe. Die blutig ausgetragenen Schlachten gipfelten 1614 in einem endgültigen Verbot des Christentums. Auch wenn das Verbot im 19. Jahrhundert aufgehoben wurde, spielt die christliche Religion in Japan nur eine untergeordnete Rolle. In Nagasaki kann man die Ōura Tenshudō, die größte katholische Kirche Japans, bewundern. Ein waschechter Kölner würde sie als "nettes kleines Kapellchen" bezeichnen. 😉

Die Niederländer, die Anfang des 17. Jahrhunderts in Japan landeten, wurden dagegen geduldet, da sie nur Handel betreiben wollten. Sie lebten isoliert auf Dejima, einer künstlich aufgeschütteten Insel, die sie nicht verlassen durften. Durch spätere Maßnahmen zur Landgewinnung liegt die Insel heutzutage innerhalb der Stadt und ist als solche nicht mehr zu erkennen. Gebäude im europäischen Stil erinnern aber noch an diese Zeit.

Im zweiten Weltkrieg erlangte die Stadt traurige Berühmtheit durch den Abwurf der zweiten Atombombe, der Fat Man. Ein Memorial-Museum und weitere Gedächtnisorte erinnern daran.

In Glover Hill stehen verschiedene Gebäude im englischen Stil. Das Gelände ist eine Art Freilichtmuseum, man kann sich die Gebäude von Außen wie von Innen betrachten.

Es war ein langer und geschichtsträchtiger Tag. Wir sind platt...